Stellungnahme von Pro Bahn Schweiz zur ÖV-App «Pendlo»

Pro Bahn Schweiz lehnt die App „Pendlo“ entschieden ab und sieht darin eine Förderung des Schwarzfahrens, die ehrliche Fahrgäste durch höhere Preise oder ein schlechteres Angebot belastet. Die Organisation bezeichnet das Argument, Schwarzfahren nicht fördern zu wollen, als scheinheilig.

1. Unverhältnismässiges Kosten-Nutzen-Verhältnis

  • Geringer Zusatznutzen: Community-Informationen über defekte Toiletten oder Verschmutzungen sind zwar komfortabel, aber für die Reise nicht essenziell. Für die Auslastung existieren bereits verlässliche offizielle Alternativen wie die Sitzplatzindikatoren der SBB.
  • Hoher wirtschaftlicher Schaden: Das systematische Warnen vor Ticketkontrollen fördert das Schwarzfahren. Dies führt unweigerlich zu massiven Einnahmenausfällen im öffentlichen Verkehr.
  • Solidargemeinschaft wird ausgenutzt: Die finanziellen Verluste durch Schwarzfahrer müssen von der Allgemeinheit getragen werden. Ehrliche Ticketkäufer subventionieren somit am Ende diejenigen, welche die App zur Umgehung der Ticketpflicht nutzen. Der Wunsch nach digitalem Komfort untergräbt hier das bewährte, auf Vertrauen basierende Schweizer ÖV-System.

2. Die Gefahr einer «Kulanz-Spirale» für ehrliche Kunden

Die zunehmende Nutzung solcher Warn-Apps birgt aus konsumentenschützerischer und verkehrspolitischer Sicht das grosse Risiko, dass die Kulanz der Transportunternehmen drastisch abnimmt:

  • Verhärtung der Fronten: Wenn Verkehrsbetriebe systematischen Betrug via App vermuten, schwindet der Ermessensspielraum des Kontrollpersonals. Ehrliche Kunden, die im Stress das Aktivieren des digitalen Tickets vergessen oder mit einem leeren Akku kämpfen, werden schneller mit vorsätzlichen Schwarzfahrern gleichgesetzt.
  • Verschärfung der Einstiegsregeln: Schon heute müssen Tickets vor der Abfahrt gelöst sein. Die App zwingt die Transportunternehmen zu noch strikteren Kontrollen. Fahrgäste, die beim Einstieg auf das Smartphone schauen, geraten unter Generalverdacht, erst aufgrund einer App-Warnung ein Ticket zu lösen.
  • Wegfall von Augenmass: Wo früher bei kleinen Missverständnissen (z. B. falsche Tarifzone oder vergessenes Halbtax) ein Auge zugedrückt wurde, müssen Kontrolleure aufgrund des finanziellen Drucks künftig jeden Verstoss ausnahmslos büssen.

Fazit:
Die App führt ehrliche Fahrgäste in eine klassische «Kulanzfalle». Wer ohnehin regulär bezahlt, bewegt sich künftig in einem von Misstrauen geprägten Kontrollumfeld und riskiert bei kleinsten Missgeschicken hohe Zuschläge. «Pendlo» schadet damit langfristig dem gesamten Reiseklima im Schweizer öffentlichen Verkehr.