Fahrplanentwurf 2026 – Luzern international abgehängt

Zum Fahrplanentwurf 2026 aus Luzerner Sicht dokumentieren wir nachfolgend den u.E. über weite Strecken zutreffenden Kommentar von Walter von Andrian in der Schweizerischen Eisenbahn-Revue Nr. 7-2026. Im Visier ist die weitere Verschlechterung der internationalen Verbindungen von Luzern aus. Nicht recht nachvollziehen können wir allerdings den letzten Abschnitt.

«Nachfrage in Luzern bekämpfen statt Durchgangsbahnhof bauen?

Allen betrieblichen und technischen Engpässen zum Trotz ist Luzern in den vergangenen Jahren bezüglich Fahrgastfrequenzen zum drittstärksten Bahnhof der Schweiz gewachsen. Und wie reagieren die SBB? Den Halbstundentakt zwischen dem zweitstärksten (Bern) und dem drittstärksten Schweizer Bahnhof gibt es weiterhin nicht. Die Doppelstockzüge zur Minute 35 von Luzern nach Konstanz mit derzeit maximal 936 Sitzplätzen werden ganztägig um zwei einstöckige Wagen verlängert, um das Platzangebot zwischen Luzern und Zürich zu vergrössern. Damit sind die Züge für die lediglich 260 Meter langen Perrons in Kreuzlingen zu lang. Der Bahnhofsumbau ist langst beschlossen und sogar finanziert. Jetzt werden die Züge ganztägig, also auch in den schwachen Stunden, in Zürich HB gebrochen. Statt das Verstärkungsmodul wie bisher zeitweise in Zürich HB oder Winterthur abzuhängen, zerstört man die direkte Verbindung zwischen Luzern und Konstanz. Was brauchen denn die Zentralschweizer Menschen eine halbstündliche Verbindung zum Flughafen oder gar direkte Züge in die deutsche Bodenseeregion?

Seit der Ära Benedikt Weibel werden die internationalen Nord - Süd-Verbindungen auf der kürzesten Achse Basel - Luzern - Chiasso systematisch zerstört, sprich über Bern oder Zürich umgeleitet. In der Ara Andreas Meyer gab es dann einen EC Frankfurt (M) - Luzern - Milano nur südwärts. Während der Covid-Pandemie wurde auch diese Leistung über Zürich umgeleitet. Diesen Zug wieder zurückzuverlegen haben die SBB zwar offiziell versprochen. Geschehen ist aber nichts. Als neueste Ausrede dienen die betrieblichen Probleme der DB im Oberrheintal. Aber wie hängen diese DB-Probleme mit der Weiterfahrt ab Basel über Luzern oder Zürich zusammen?

Nun haben die SBB einen neuen Geistesblitz: Weil man mit den schwächlichen Girunos nicht bis Rom fahren kann, will man zweimal am Tag Zürich - Venezia fahren. Für die notwendige Fahrplantrasse wird der letzte Direktzug Basel - Luzern - Milano gekappt. Dazu muss man sich erinnern, dass das Schweizer Volk 1994 über die Neuen Alpentransversalen für den Güterverkehr abgestimmt hat. Die Vorlage sah stündlich einen Schnellzug ab Zürich und ab Basel - Luzern vor. Still und leise wurde dann für den Gotthard-Basistunnel der Halbstundentakt beschlossen, was wegen der stark unterschiedlichen Fahrgeschwindigkeiten die Zahl möglicher Güterzugtrassen massiv, auf etwa sechs pro Stunde reduzierte. Güterzugtrassen für Reisezüge werden nicht mehr bewilligt. So hat man die Begründung, auch noch den letzten Nord - Süd-Zug via Luzern über Zürich umzuleiten.

„Honi soit qui mal y pense", sagt ein französisches Sprichwort. Der Verdacht, dass die Lobbys von Zürich und Bern einmal mehr die offensichtliche Notwendigkeit des Durchgangsbahnhofs in Luzern bestreiten wollen und die SBB willfährig mitspielen, drängt sich geradezu auf. Was soll man sonst dazu denken?»