Regionalzug Thun – Konolfingen, drei Mal täglich mit direktem Anschluss nach Luzern. Oder stündlich ab 2023? Es bleibt zu hoffen. © Bahnbilder.de

Regionalzug Thun – Konolfingen, drei Mal täglich mit direktem Anschluss nach Luzern. Oder stündlich ab 2023? Es bleibt zu hoffen. © Bahnbilder.de

Thun – Luzern: national oder besser regional?

Entweder: Thun ab 16.34, Luzern an 18.01, Umsteigen Bern in 6 Minuten. Reisezeit 1 h 27’, Halbpreis 2. Klasse CHF 25.50. Im IC-SBB über 140 Streckenkilometer. National – mit wenig freien Sitzplätzen.
Oder: Thun ab 16.25, Luzern an 18.03, Umsteigen in Konolfingen in 5 Minuten. Reisezeit 1 h 38’, Halbpreis 2. Klasse CHF 17.--. Im Regio/RE-BLS über 86 Streckenkilometer. Regional – mit vielen freien Plätzen, auch am Fenster.

Dann gäbe es per öV noch zwei eher exotische Verbindungen zwischen den beiden Städten: S 1 Thun – Münsingen, Bus 160 nach Konolfingen, wo drei Minuten bleiben, um auf den RE nach Luzern umzusteigen, sowie eine veritable Rundfahrt mit S 4 via Belp – Bern – Burgdorf – nach Langnau, dort Zeit für einen Kaffee und per RE nach Luzern. Diese Variante wurde während des Lockdowns, zwar in umgekehrter Richtung, von einem SBB-Kundenlenker einem Bekannten vorgeschlagen. Er war dann vier Stunden unterwegs.

Die eingangs erwähnte schnelle regionale Verbindung via Emmental und Entlebuch hat noch einen Haken. Sie wird aktuell nur werktags einmal am Morgen und zweimal am Abend zur HVZ angeboten. Tagsüber steht die dafür benötigte Zugskomposition in Thun auf einem Nebengleis und wartet auf einen späteren Einsatz. Was, wenn das Angebot ganztags von 7 bis 20 Uhr im Fahrplan wäre? Es ergäbe sich eine touristisch attraktive Variante für ein gemütvolles Reisen zwischen den beiden Städten. Und eine klitzekleine Entlastung der oft proppenvollen IC/IR via Bern inklusive Wegfall des Gehetzes beim Umsteigen mit Wechsel des Perrons. Bei Verspätungen werde dieser Anschluss immer mal wieder gebrochen, wird verlautet. Speziell in «Corona-Zeiten» sind weniger belegte Züge von Vorteil. Nicht zu vergessen – wer mit einer Billett-App wie Fairtiq unterwegs ist, spart erst noch ein paar Franken.

Damit öffnet sich auch ein Fenster für eine attraktive Rundreise, welche mit regionalen Stopovers angereichert werden könnte. Tropenhaus in Wolhusen, Kambly-Welt in Trubschachen, Schloss oder Wocherpanorama Thun, Seestrecke Thun – Interlaken oder auf dem Brienzersee, Schnitzler-Handwerk in Brienz, über den Brünig und Sarnen zurück nach Luzern. Low level bei den Höhenmetern, aber auch im Preis, bahntechnisch etwas Neues und eine ideale Ergänzung der touristischen Produkte, die Luzern, Berner-Oberland und Emmental anbieten.

Da im aktuellen Fahrplan die Regiozug-Trasse Thun – Konolfingen fixiert ist, liesse sie sich sicher den ganzen Tag über betreiben, die nötigen Kreuzungsstellen in Steffisburg und Oberdiessbach sind vorhanden und das Rollmaterial würde besser ausgenützt. Nun müssten einzig noch die regionalen Verkehrskonferenzen Oberland-West, Emmental und Bern-Mittelland sowie das kantonale Amt für Verkehr von der Attraktivität dieser Idee überzeugt werden. Pro Bahn Espace-Mittelland jedenfalls unterstützt dieses Projekt. Ein Insider meint – ja natürlich, ab Fahrplan 2023 wäre die BLS dazu sicher bereit.

 

Kaspar P. Woker, 26. August 2020