Daniel Hofer, Leiter Mobilität der BLS, gibt den Taufnamen der neuen FLIRT-Züge bekannt

Daniel Hofer, Leiter Mobilität der BLS, gibt den Taufnamen der neuen FLIRT-Züge bekannt

MIKA – der neue BLS Triebzug

MIKA wurde als Taufname für das jüngste Kind der über 1600-köpfigen Familie der FLIRT Triebzüge aus dem Hause Stadler auserkoren. Am Taufakt, pardon Roll-Out, in Erlen TG am 9. September war natürlich Mika, der jüngste Spross und Gewinner aus der Familie, welche an der Namenssuche der BLS teilnahm, mit dabei.

Wichtig für ihn und seine Eltern: es gibt viel Platz für den Kinderwagen im Multifunktionalen Bereich um die Einstiegstüren. Innovativ ist vor allem die Technik, mit erstmals in einem Jakobsdrehgestell eingebauten Motoren. Das K steht leider nicht für Kinderabteil, sondern für Kompakt, was eher die Technik anbelangt, aber dem Zug acht zusätzliche Sitzplätze mit eigenem Fenster beschert als in älteren FLIRT Modellen. Als Attraktiv werden ihn sicher die Reisenden erleben, wenn er ab Frühsommer 2021 auf der Linie Bern – Neuchâtel – La Chaux-de-Fonds die dannzumal 50-jährigen EW III Kompositionen ablösen wird.

Seit Anbeginn wurden Kundenvertreter bei der Innenraumgestaltung einbezogen – auch Pro Bahn Schweiz war mit dabei. Als einer der damals Involvierten kann ich BLS und Stadler nur gratulieren zur Umsetzung. Grosse, tief herabreichende Fenster, bequeme Sitze, 2+1-Anordnung in der 1. Klasse inklusive Business-Sitze ohne störenden Nachbarn, Bistrozone mit Kaffee-, Getränke- und Snackautomat mit grossen Tischen und Bänken, Stauraum für Skis, Kinderwagen, und maximal 12 Velos bei fünf von sechs Einstiegstüren, zwei Toiletten, eine davon rollstuhlgängig und natürlich ein optimaler Handy-Empfang sowie Steckdosen bei allen Sitzen. Vorbei ist es allerdings mit echtem Panoramafeeling wegen der breiten Fensterstreben, vorgegeben durch die strengen europäischen TSI-Sicherheitsvorschriften.

Mit 58 dieser sechsteiligen Triebzüge ist dies die grösste je von der BLS lancierte Fahrzeugbestellung. 30 Stück kommen als Regio-Express auf die Schienen und werden auch die Lötschberger-Züge zwischen Bern und Domodossola/Zweisimmen ablösen. Sie sind mit 1.3 m/s2 Beschleunigung spurtstark, verfügen über eine Leistung von 3500 kW und sind 160 km/h schnell im Aaretal oder auf den ausgebauten Abschnitten Richtung Neuchâtel. Ab 2023 kommen zusätzlich 28 MIKA in der S-Bahn Version mit mehr Türen und Stehplatzzonen aber ohne Bistro in Betrieb. Damit kann die BLS alle älteren hochflurigen Züge ausrangieren – Eintreten statt Einsteigen wird dannzumal überall möglich sein, wohl bis auf den Berner Hauptbahnhof mit seinen kurvigen Perrons.

Alles in allem, die BLS landet mit dem FLIRT MIKA einen Volltreffer unter den Regional-Express-Zügen. Ein Vergleich mit den 2019 eingeweihten FLIRT Traverso der Südost-Bahn brauchen sie nicht zu scheuen. Jene sind länger, etwas stärker und verfügen über eine Familienzone, doch sind nicht überall Panoramafenster eingebaut. Diese sind mit neuartigen Antrieben ausgerüstet, was weniger Treppenstufen im Zuge selbst ergibt und wurden – als Premiere in der Schweiz – mit dem von Stadler selbst entwickelten Zugsicherungssystem Guardia ausgerüstet, was die Abhängigkeit von den Giganten der Industrie wie Siemens oder Alstom reduziert. Die BLS hat – auch wenn sie aktuell auf der finanziellen Ebene arg gebeutelt wird – die Nase vorne im schnellen Regionalverkehr.

Kaspar P. Woker, 11.09.2020


Bildlegende

Bild 1

Wuchtig kommt der RABe 528 104, alias MIKA in Erlen daher.

Bild 2

Eine Premiere: das kompakte Jakobsdrehgestell zwischen Wagen 1 und 2 mit eingebauten Antriebsmotoren.

Bild 3

Regional-Express BLS mit MIKA in Zukunft mit Bistro.

Bild 4

MIKA nicht auf Fernfahrt in den Niederlande sondern entlang des Fabrikkanals in Bürglen TG.