Fahrplan 2020 - Reisen nach Paris, Hamburg und Berlin dauern oft eine halbe Stunde länger

Die Medienmitteilungen folgen fast monatlich aufeinander: Die SBB bauen das Angebot im internationalen Bahnverkehr aus.
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Ab Dezember 2019 fahren ICE der letzten Generation auf der Linie (Chur-) Zürich-Hamburg, die TGV-Linien ab Zürich, Lausanne und Genf werden auf Doppelstöcker umgestellt. Zusammen mit zusätzlichen Zugpaaren ab Lausanne (zum Teil über Genf statt Vallorbe) bedeutet das für TGV-Lyria eine Kapazitätssteigerung um nicht weniger als 33%.

Doch gibt es einen Wermutstropfen, der in den Medienmitteilungen nicht angesprochen wird. Wer den ICE oder den TGV ab Zürich, Basel oder Lausanne nimmt, profitiert. Wer aber aus dem Mittelland, also aus den Kantonen Bern, Solothurn oder Freiburg ins Ausland will, muss im Jahresfahrplan 2020 oft eine halbe Stunde mehr einplanen.

 

Baumassnahmen in Liestal…

Warum? Die SBB bauen auf der IC-Linie Interlaken-Bern-Basel Fahrzeitreserven ein. Der langfristige Nutzen der Ausbaumassnahmen im Knoten Liestal steht ausser Frage. Deshalb treffen ab 15. Dezember die Züge aus Bern 2 bis 3 Minuten später in Basel ein. Was bedeutet, dass der Anschluss auf den TGV nach Paris (alt Basel SBB an .29, neu .32, Basel SBB ab .34) wegfällt –  wie übrigens auch derjenige auf die S-Bahn nach Lörrach und ins Wiesental. Nun ja: Vorsichtige Reisende nahmen auch bisher schon einen Zug früher, denn 5 Minuten Umsteigezeit sind riskant, wenn der nächste TGV erst zwei Stunden später fährt. Doch auf der Rückfahrt von Paris wird in Zukunft der Zug nach Bern fast immer vor der Nase abfahren. Bei nur 2 Minuten Übergangszeit (Ankunft .26, Abfahrt .28) wartet der Schweizer Zug bei den häufigen geringen Verspätungen nicht mehr den am selben Perron einfahrenden TGV ab.

 

… und zwischen Karlsruhe und Mannheim

Schlimmer noch für Reisen in den Norden. Weil die Deutsche Bahn vom 11. April bis zum 31. Oktober die Neubaustrecke Mannheim-Karlsruhe/Stuttgart saniert, geht es auch dort nicht ohne Fahrzeitverlängerungen. Die Abfahrt der im Zweistundentakt angebotenen ICE-Linie (Chur-) Zürich-Hamburg (-Kiel) wird in Basel SBB dann von .06 auf .01 vorgezogen. Und wann kommt der IC aus Bern an? Richtig, um .01! Das bedeutet nicht nur 30 Minuten längere Reisen für alle, die nach Hannover oder Hamburg wollen, sondern auch eine empfindliche Verschlechterung im Berlin-Verkehr. Zwar ändert sich für den im Zweistundentakt angebotenen ICE (Interlaken-) Basel-Berlin nichts. Doch wer in den geraden Stunden von Bern nach Berlin will, muss sich eine halbe Stunde früher aufmachen, zum Beispiel um 7h36 statt um 8h04. Denn in Mannheim kappt die Deutsche Bahn den Übergang von den Zügen nach Köln auf die Züge nach Berlin. Von Ostern bis Ende Oktober ist Berlin zu jeder zweiten Stunde also aus Basel nur noch mit den Hamburger ICEs und Umsteigen in Hannover zu erreichen.

Die SBB haben es erfasst: Einer anderen Medienmitteilung entnehmen wir, es sei eine «Herausforderung, das richtige Gleichgewicht zwischen Bahnbetrieb und Bauen zu finden». Wie wahr!

Anselm Gerhard