Eine wohl überflüssige öV-Linie …. und Fluglinie?

Die Buslinie 160 von Bernmobil führt vom Flughafen Bern-Belp, ds Mösli, via Bahnhof Belp, Rubigen, Münsingen nach Konolfingen. Eine nützliche und recht gut nachgefragte Tangential-Verbindung, die stündlich von 6 bis 20 Uhr bedient wird. In der HVZ auf Teilstrecken sogar halbstündlich, die hingegen von 16 bis 18 Uhr im Verkehr stecken bleibt und deshalb zwischen Rubigen und Münsingen dann gleich eingestellt wird. Letzteres eine Pleiteerklärung des öV, die zu denken geben müsste.

Diese Buslinie kennt aber Verstärkungskurse (früher als Linie 334 bezeichnet) zwischen Belp Flughafen und Bahnhof, jeweils neun Minuten unterwegs, die obige Linie hier zu einem 15’/15’/30’ Takt ergänzen. Sie stieg und fiel mit dem Angebot von Skywork, doch das ist Geschichte. Die Linie wird immer noch bedient mit dem «Flughafen-Bus», Anschluss an die S4/44 nach Thun oder von Burgdorf-Bern. Dort tönt’s vor Belp aus dem Lautsprecher «please change for Berne-Airport». Eine Tourismus- und Grossstadt Allüre, die heute eher zum Heulen als zum Lachen ist.

Bern-Airport ist wohl bald am Ende für die kommerzielle Fliegerei. Siehe Artikel in der Zeitung «Der Bund» vom 19./20.1.2020. «Ds Mösli» sei wichtig für Berns Volkswirtschaft wird immer wieder argumentiert, man will – zum x-ten Mal – englische Wintertouristen fürs Oberland begeistern. Das bleibt wohl eine Illusion. Diese würden, wenn schon, mit Cars direkt nach Grindelwald gekarrt und nicht via Bus 160, S 4/44, IC 61, Regio BOB ins Gletscherdorf gebracht. Dank Flybair wird im nächsten Sommer ein weiterer Outgoing-Relaunch versucht mit Charterflügen nach Jerez, Mallorca, Menorca, Olbia, Preveza, Kreta, Rhodos, Kos. Wow, was für ein Angebot! Doch dieses soll mit lediglich einem Flieger produziert werden im Verlaufe von sieben Tagen, macht pro Tag zwei Abflüge. Alles Feriengäste mit grossen Koffern. Parkplätze hat’s viele im Belpmoos. Wer reist da mit S 4/44 und Bus 160 via Belp Bahnhof an? Kaum jemand. Bus 160 fährt unbekümmert im Halbstundentakt, wohl immer noch mit dem 80-plätzigen Standardbus mit Spezial-Lackierung und speziellen Gepäckracks.

Zum Abschluss noch ein Bonmot eines Managers, der öfters mit Skywork auf dem ersten Flug um 6.15 nach München unterwegs war. Nein der Wegfall von Skywork schmerze überhaupt nicht, er lasse sich jetzt halt mit dem Chauffeur nach Kloten fahren, um den Frühflug zu erreichen. Da braucht’s wahrlich keine Linienflüge mehr ab Bern-Belp mit halbstündlicher öV-Anbindung. In der Ferienbeilage Bund/BZ vom 19.1. wirbt Genève-Airport für «Ihren nächsten Abflug»; IC ab Bern, halbstündlich von 5 bis 23 Uhr, inklusive. Da wäre es wirklich seltsam, wenn Regierung und Parlament des Kantons Bern Millionen für Investition und Betrieb des Flughafens sprechen würden. Schon mal was von Flugscham gehört? Belp, als aufstrebende Gemeinde, soll wenn schon, den Bus vom Bahnhof ins Industriequartier und zur Badi aus eigenen Mitteln finanzieren und der Kanton das Angebot Flughafenbus wieder auf den Prüfstand stellen.

Kaspar P. Woker, 20.01.2020