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Glyphosat ade – merci SBB

Ein Freund fragte mich nach den heutigen Zeitungsartikeln über die Neuausrichtung der Unkrautbekämpfung, warum die SBB erst jetzt das hochgiftige Produkt ersetze. Zuerst eine Bemerkung zur Relation: Die SBB verbraucht ein Prozent des Glyphosats in der Schweiz. Und zweitens eine Bemerkung allgemein: Die Unkrautbekämpfung zwischen und neben den Schienen ist ein sehr vielschichtiges Geschäft, nicht zu vergleichen mit einem Feldeinsatz mit zwar unterschiedlichen, aber bekannten Unkräutern, und zusätzlich auf ebenem Boden. Alternativen zu finden ist da ein langwieriges Unterfangen.

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Folie: SBB


Heute wurde also das Neuste aus der Umweltwerkstatt der SBB in Däniken vorgeführt. Seit einigen Jahren werden, in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten, Vorschläge auf ihre Machbarkeit geprüft und dann in der Praxis ausprobiert. Zwei Lösungen werden wohl noch länger auf sich warten lassen: Autonomes Mähen dank Robotern und die Vegetationskontrolle mit Strom. Der sogenannte Grüne Teppich könnte eine Lösung darstellen; allerdings ist dabei die Gefahr des Einschleppens von Neophyten realistisch. Rein bauliche Massnahmen, zum Beispiel Folien oder Sickerbetonriegel, kosten viel und sind zeitaufwendig beim Erstellen.

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SBB Heisswasserspritzzug                                                                      Foto: A. Theiler


Bleibt also für den Moment als neues Element der Einsatz von Heisswasser. Und darüber wurde in Däniken orientiert. Der Prototyp besteht aus total vier Wagen; in der Mitte die zwei wärmeisolierten Kesselwagen mit Wasser von 95°, vorne und hinten die Sprühwagen, und ganz vorne den wichtigsten Teil, die Sensoren, welche während der Fahrt Pflanzen „spüren“ und dann dort den entsprechenden Wasserschub auslösen. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass dieser Sprühzug mit 40 km/h verkehren muss – Vorgabe des BAV – so ist sofort ersichtlich, dass da sehr hohe technische Anforderungen gestellt werden.

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SBB Heisswasserspritzfahrzeug                                                                Foto A. Theiler


Oder um es hier noch ganz konkret zu beschreiben: Der Sensor erfasst eine Pflanze irgendwo in einem Bereich von 4,60 m, also beidseitig recht deutlich über das eigentliche Geleise hinausragend. Dann werden entsprechend ihrem Standort an einer oder mehreren der 14 parallel verlaufenden Leitungen die Düsen geöffnet, und die Pflanze erhält aus vier Öffnungen vom vordersten Wagen eine Heisswasserdusche. Rollt einige Sekunden später (die Zugsgeschwindigkeit ist ja 11 m/s) der hinterste Wagen über die gleiche Pflanze, erhält sie die zweite Dusche.

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 Folie SBB

Erste Testläufe wurden gemacht, jetzt sollen in diesem und im nächsten Jahr je rund 200 km Geleise so behandelt werden. Ende 2020 wird entschieden, ob die Methode so effizient ist wie geplant, und ob sie im grossen Massstab eingesetzt werden kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass für die Frage des Glyphosat-Ersatzes für einmal nicht jede Bahn für sich pröbelt. Nein, im Programm „Alternative Herbizide“ sind neben BLS und SOB auch die Nachbarbahnen SNCF, DB und ÖBB in die Entwicklungsarbeiten eingebunden, mit ihrem je spezifischen Fachwissen und ihren ebenfalls vielfältigen Anforderungen.

(Text: A. Theiler, 27.06.2019)


27.06.2019 20:30:34