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Golden Pass – die Zukunft

Am 22. August fand für Bahnjournalisten eine Reise ins Berner Oberland statt. Der erste Tag war gefüllt mit Referaten zu Seilbahn- und Bergbahnthemen. Robertus Laan, Projektleiter von Golden Pass Express, sprach über den aktuellen Stand des Umspurprojekts. Hier eine persönliche Zusammenfassung von Res Theiler.

Ich las den Begriff „Golden Pass Express“ zum ersten Mal im Jahre 1983 in einem Reisekatalog in Neuseeland. Witzigerweise wurde mit dem Namen aber nicht das Eisenbahnprodukt beworben, sondern eine Busreise von Montreux über Interlaken nach Luzern.

1905 bereits verkehrte der erste als «Golden Mountain – MOB – Pullman Express» bezeichnete Zug für englische Touristen von Montreux nach Interlaken. 1924 wurde dann Golden Mountain zum Golden Pass – aus was für Gründen auch immer. Rein topographisch gesehen gab es ja keinen Grund zu wechseln, und das „Gold“ im Titel war von Anfang an ein Marketingtrick.

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Aber wie gesagt, in der Schweiz selber blieb die Bezeichnung lange praktisch unbekannt. Irgendwann übernahm der öffentliche Verkehr den Namen für die Route bis nach Luzern, so wie sie von Reiseveranstaltern schon lange propagiert wurde. Aber, und das war und bleibt ein sehr grosses Aber, die drei Teilstücke der Eisenbahn mit zwei verschiedenen Spurweiten und sowohl Adhäsions- wie Zahnradbetrieb unter einen Hut zu bringen, ist wirtschaftlich gesehen ein Ding der Unmöglichkeit. So hat sich in den letzten Jahren, auch als Folge der neuen Rollmaterialbestellungen, die Zentralbahn (Interlaken Ost – Luzern) mehr oder weniger aus dem Produkt verabschiedet, und Golden Pass meint wieder das Gleiche, wie schon auf den ersten Plakaten abgebildet.

Nach Jahrzehnten der Diskussionen ist nun Bewegung im Angebot. Umspurbare Drehgestelle heisst das neue Zauberwort. Damit entfällt für die Reisenden das manchmal mühsame Umsteigen in Zweisimmen. Wobei: Pendler wie Touristen nehmen dieses Umsteigen natürlich weiterhin als normal an, denn das durchgehende Angebot ist logischerweise auf vier tägliche Verbindungen Interlaken Ost-Montreux beschränkt. [unten der aktuell angedachte Fahrplan]

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Das revolutionäre, selber entwickelte neue umspurbare Drehgestell bleibt dem Reisenden in seiner Funktionsweise verborgen. Das Sichtbare für uns Reisende sind komplett neue Wagen, die in speziell gebildeten Zügen eingesetzt werden.

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Die grosszügigen Panoramawagen erster und zweiter Klasse bilden, zusammen mit einem Speisewagen, die Grundkomposition. 

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Gezogen respektive geschoben wird der Zug auf seiner Stammstrecke von einem zweiteiligen Triebwagen 9000, zwischen Zweisimmen und Interlaken Ost von einer BLS-Lokomotive 465 sowie einem Interfacewagen. In diesen ist einerseits die Elektronik eingebaut, welche sich aus den unterschiedlichen Streckensicherungssystemen ergibt, und anderseits stehen dort zusätzliche Sitzplätze zweiter Klasse zur Verfügung. Der Wagen ist zudem nötig, weil sowohl die Kupplungen wie die Puffermasse unterschiedlich sind.

Im Gegensatz zu den beiden anderen weltberühmten Zügen, dem Glacier Express und dem Bernina Express, hat der Golden Pass Express einen wesentlichen Vorteil: Er bietet nicht nur eine spektakuläre Fahrt an, sondern hält an verschiedenen attraktiven Orten, die sich für einen Zwischenhalt oder sogar eine Übernachtung anbieten. Saanen-Gstaad gehört natürlich dazu, aber auch Château d’Oex, Rougemont oder Zweisimmen. Der ab Dezember 2020 verkehrende umsteigefreie Zug wird aber wohl vor allem asiatische Touristen ansprechen, für die die Endpunkte Interlaken und Montreux am reizvollsten sind.

Die neuen Züge an sich sind bereits ein Qualitätssprung. Dazu bieten sie ein in der Schweiz einmaliges Erlebnis, weil die Reisenden während dem etwa dreiminütigen Umspurvorgang sitzen bleiben können. Die komplexe Technik im Hintergrund bleibt ihnen verborgen. Die MOB als treibende Kraft hinter dieser Entwicklung zu den durchgehenden Zügen brauchte viel Durchhaltevermögen. Noch vor zehn Jahren stand ja die Idee einer dritten Schiene zwischen Zweisimmen und Interlaken Ost im Vordergrund, jetzt konnte in Rekordzeit ein total neues System entwickelt und gebaut werden. Die Umspuranlage in Zweisimmen ist übrigens bereits fertig und kann bereits besichtigt werden – auch wenn noch keine fahrplanmässigen Züge darüber verkehren.

(Text: A. Theiler, Bilder+Grafik zVf gestellt, 29.08.2018)


29.08.2018 17:31:08