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Stabsübergabe bei Pro Bahn Schweiz

22. April 2017, Stabsübergabe bei Pro Bahn Schweiz
                                      – Karin Blättler folgt auf Kurt Schreiber  

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Nach sechsjähriger Tätigkeit als Präsident ist Kurt Schreiber von seinem Amt zurückgetreten und hat das Präsidium in jüngere und weibliche Hände, nämlich an Karin Blättler aus Luzern übergeben. Dazu wurden die üblichen statutarischen Traktanden behandelt. In seinem Jahresbericht (Beilage) liess Schreiber die verschiedenen Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren. Drei Vorstandsmitglieder, Edwin Dutler, Thomas Lendenmann und Heinz Villa wurden in ihren Ämtern für zwei weitere Jahre bestätigt. Die Versammlung tagte bei schönstem Wetter in der ebenso schönen Ferienregion Brienz und liess sich im von Tourismusverantwortlichen aus der Region über ihre Anstrengungen informieren.

Schuster bleib bei Deinen Leisten – Eisenbahn bleib bei Deinen Schienen
In seiner Eröffnungsrede wies der scheidende Präsident auch auf verschiedene Schwachpunkte im öffentlichen Verkehr hin. So erfinden die immer wieder neue, aber bahnfremde Dienstleistungen, mangels Nachfrage wieder eingestellt werden. So geschehen bei der Abholmöglichkeit von Lebensmitteln am Bahnhof. Bei all diesen Versuchen sind massive Kosten entstanden, welche zum SBB-Defizit beigetragen haben. Neuestens nehmen sich die SBB dem Gebiet der führerlosen Autos an und sind in Zug diesbezügliche Kooperationen eingegangen. Da stellt sich ganz einfach die Frage: Was haben die SBB als Bundesbetrieb auf der Strasse mit solchen Projekten verloren? Dies umso mehr, als in Sitten von Postauto AG – auch ein Bundesbetrieb – Versuche mit fahrerlosen Postautos unternommen werden. Dazu gibt es nur eine Empfehlung: Schuster bleib Deinen Leisten oder SBB bei deinen Schienen.

Hochzeit mit Postauto AG?
Wenn sich schon die SBB neben der PostAuto AG mit führerlosen Autos befassen wollen, könnten ja beide Betriebe in eine Einheit zusammengefasst werden und so für eine gemeinsame Transportkette von Haus zu Haus sorgen. Das Postauto wäre für den Zubringer zum Bahnhof, die Bahn für die Reise zum Zielbahnhof und anschliessend wieder die Strasse bis zum Zielort verantwortlich. Damit würden sich zwei Bundesbetriebe ergänzen und nicht konkurrenzieren, wie das jetzt der Fall ist. Dieser Gedanke ist übrigens nicht neu, er wurde kürzlich vom ehemaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann in der „Weltwoche“ geäussert. Diese „Hochzeit“ würde insbesondere auf höher Ebene weitere Einsparungen mit sich bringen, so bräuchte es nur noch einen Verwaltungsrat und auch auf der Ebene Geschäftsleitung liessen sich Einsparungen erzielen. Peter Bodenmanns‘ Idee ist also gar nicht so schlecht und darf durchaus weiterverfolgt zu werden.

Keine Fahrzeitverlängerungen wegen Anschlussbrüchen
Gerade bei den eigenen Dienstleistungen besteht seitens SBB Nachholbedarf. Wohl ist der Pünktlichkeitsgrad hoch, das sei ausdrücklich anerkannt. Wenn aber Anschlüsse grundsätzlich nicht mehr abgewartet werden und für die Bahnkundin oder den Bahnkunden ein wichtiger Termin ansteht, verlängert sich die Reisezeit beispielsweise von Zürich nach Bern auf anderthalb Stunden wie vor 60 Jahren, weil eine halbe Stunde früher gereist werden muss, um pünktlich an der Verabredung einzutreffen. Deshalb sind Anschlüsse im Rahmen der Möglichkeiten abzuwarten. Es darf nicht vorkommen, dass Reisende vor dem Anschlusszug stehen und dieser Zug buchstäblich vor der Nase wegfährt.

Bahn 2000 nicht verlassen
So schnell wie nötig und möglichst wenige Umsteigevorgänge – dieses Element ist einer der Erfolgsgaranten von Bahn 2000. In letzter Zeit ist dieses Prinzip je länger desto mehr verlassen worden. Lausanne kann ab Basel nur via Umsteigen erreicht werden, der Flughafen Zürich ist ab Biel nur noch einmal anstatt wie früher zweimal pro Stunde erreichbar und als Tüpfelchen auf dem i haben es die SBB fertiggebracht, eine Reise zum Gotthard und in die Leventina noch unattraktiver zu gestalten als bisher: Zu den bisherigen Umsteigevorgängen muss nun auch noch in Erstfeld in Vorortstriebzüge umgestiegen werden. Ein solches Vorgehen kann nicht anders als ein Verlassen des bewährten Systems von Bahn 2000 bezeichnet werden, was die Bevölkerung dazu einlädt, anstatt den Zug das eigene Auto zu benutzen, denn mit dem Auto muss überhaupt nicht umgestiegen werden. Pro Bahn Schweiz erwartet, dass diese Mängel behoben werden und das System Bahn 2000 hochgehalten wird, denn es bewährt sich.

(Text: K. Schreiber, 22.04.2017; Foto: H. Rothen)


23.04.2017 19:52:00