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SBB- Angebot Gotthard

SBB- Angebot Gotthard: Mehr schlecht als recht

Die SBB ziehen nach 57 Tagen Bilanz zum Verkehr durch den Gotthard Basistunnel (GBT) und schreiben von einem stabilen und störungsfreien Verkehr von und nach dem Süden. Sie halten fest, dass die Nachfrage erfreulicherweise um 30 % gestiegen sei und der Verkehr überwiegend störungsfrei laufe.  
«Störungsfrei» sieht für Pro Bahn Schweiz, der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs anders aus. Pro Bahn hat seit der Eröffnung des GBT viele Reklamationen über gebrochene Anschlüsse in Arth Goldau, und Bellinzona, Verspätungen und vor allem über ungenügende Platzverhältnisse in den Zügen erhalten. So ist es vorgekommen, dass Passagiere wieder aus den Zügen gewiesen werden mussten. Pro Bahn Schweiz hat übrigens die SBB bereits im Vorfeld der Eröffnung des GBT vor einem zu knappen Rollmaterialbestand gewarnt. Diese Warnungen sind wohl überhört worden, denn betriebswirtschaftliche Überlegungen gehen vor und die Kunden haben sich mit dem zu begnügen, was an Rollmaterial gerade bereitgestellt wird.
Pro Bahn Schweiz weiss von Reisenden, die während dieser 57 Tage fünfmal ins Tessin und wieder zurückgefahren sind. Zweimal hat es geklappt, dreimal nicht. Wohl handelt es sich um einen Einzelfall, die Leistung ist und bleibt ungenügend.
Dazu kommt, dass das Angebot aus der Zentralschweiz Richtung Süden markant verschlechtert worden ist und was Bundespräsidentin Doris Leuthard als Nebensächlichkeit abtut. Ein Umsteigeweg von 10 m sei zumutbar. Was Frau Bundespräsidentin nicht weiss: Die aus Zürich kommenden Züge sind vollbesetzt und für eine vierköpfige Familie also ein Ding der Unmöglichkeit, ein freies Abteil zu finden. Die entsprechenden Distanzen machen dann sehr bald ein Vielfaches dessen aus, was Frau Bundespräsidentin im Parlament ausgeführt hat.
Dass die SBB ihr Angebot für die Gotthard-Bergstrecke mit S-Bahn-Triebzügen einmal mehr schönreden, überrascht nicht. Tatsache ist und bleibt, dass für eine Reise aus der Agglomeration der Deutschschweiz nach Göschenen bis zu dreimal umgestiegen werden muss (ohne Garantie für die Anschlussgewährleistung!). Die versprochenen Direktzüge ab Zürich (ohne Basel oder Luzern) inkl. Gotthard-Panoramic Express vermögen diese Lücke nicht zu füllen. Kommt dazu, dass für den Gotthard-Panorama Express ein Zuschlag von CHF 24.--- pro Person bezahlt werden muss. Bis zum 11. Dezember 2016 war dieses Angebot ohne Zuschlag und ab Basel und Zürich ohne Umsteigen in der Regel zweistündlich zu haben. Pro Bahn Schweiz bleibt bei ihrer Einschätzung: Die hier bereitgestellten Fahrgelegenheiten sind und bleiben lieblos.
Zum Schluss noch dies: Ein Vorstandsmitglied von Pro Bahn Deutschland hatte das Vergnügen, stehenderweise von Lugano nach Zürich zu fahren. Dieses Erlebnis in der Schweiz sei für ihn neu und erinnere ihn an Erfahrungen in Deutschland. Pro Bahn Schweiz fordert die SBB auf, die notwendigen Massnahmen zu treffen, dass dieser Vergleich eine und die einzige Ausnahme bleibt. Wir brauchen keine deutschen Verhältnisse.

(Text: K. Schreiber, 06.02.2017)


06.02.2017 17:28:33